Zwei Monate Arequemis

...sie haben uns bereits zur Legende manifestiert...fast jeden abend das gleiche Spiel: ein Lockenkopf aus Sau Paulo und seine deutsche Freundin, dicht gefolgt von Willi, dem tolpatschigen Hund der schon um einiges gewachsen ist und nun auch schon seine neue Zaehne hat...jedenfalls kommen die immer die selbe Strasse hinunter von einem Restaurant zum anderen und wieder hinauf...Verkaufen ihren Schmuck, Willi sitzt daneben und starrt das Essen an und hat auch schon seine Lieblingsrestaurants...Leute die Schmuck verkaufen nennt man hier Hippie, diese drei sind beruehmter als Popstars...fast schon fuehle ich mich unwohl, wenn uns von allen Seiten zugewunken wird, aber das kommt davon wenn man jeden Abend die selben Leute belaestigt und ausserdem foerdert das Beruehmtsein ja den Verkauf. Belaestigt fuehlen sich die Leute nicht, ganz im Gegenteil beschenken uns mit Essen, Trinken, Geld und nicht zu letzt mit interessanten Gespraechen. Immer noch muss ich mich jedes Mal ueberwinden wenn ich die Leute anspreche, von Tisch zu Tisch ziehe und versuche meine Zunge bei der portugisischen Aussprache nicht zu sehr zu verdrehen...Jedenfalls sind alle sehr geduldig und oft entstehen sehr nahrhafte Gespraeche, die unter anderem dazu fuehren einen Ort mal ganz anders zu erkunden...wir erforschen sozusagen seine Einwohner. Jeden Abend ungefaehr 50 Smalltalks bishin zu stundenlangen Unterhaltungen mit unterschiedlichen Menschen wuerfelt jedes Mal ein buntes Muster zusammen und obwohl sie jedes Mal gleich beginnen, ist es nie zum Gaehnen da doch die Meinungen und Reaktionen unterschiedlicher Menschen ebenfalls unterschiedlich sind und nach dem ueblichen "woher kommt ihr, wie habt ihr euch kennen gelernt, wieviel kostet der Hund (nein er ist nicht zu verkaufen)" immer verschiedene Richtungen einschlagen. Ich muss zugeben. dass die Energie durch jedes verkaufte Schmuckstueck waechst, dennoch ist das Geld verdienen lang nicht mehr das Einzige , zaehlen doch auch die Begegnungen mit den Leuten. Die Moeglichkeit jeden kennen zu lernen, ist ein bisschen als haette uns der Buergermeister den Schluessel seiner Stadt in die Hand gedrueckt: haben wir Zahnschmerzen, kennen wir bereits die Zahnaerzte, die Restaurantbesitzer sind unsere Freunde (falls wir doch mal den Beruf wechseln wollen), es regnet Taetowierungen, ich habe Einladungen in allen moeglichen sozialen Projekten...
Und manchmal erleben wir auch kleinere Abenteuer: eine Katze die Willi fressen will, ich stolpere deutlich ungeschickt, falle noch ungeschickter auf die Nase und die Leute schauen am Ungeschicktesten zur Seite (Bemerke; dreifache Steigerung, damit meine Bildung nicht ganz verloren geht, erinnere ich mich immer mal wieder an ein paar Dinge vom Abitur), ein Ausflug nach Porto Velho, den ich jetzt nicht naeher ausfuehren will, Alan mit Malaria und mein Visum das ablaeuft, ich habe es zwischenzeitlich aber um drei Monate verlaengern koennen...
Die Angewohnheit tags zu schlafen und nachts zu wachen ist zum Brauch geworden und Alan und ich sind um ein weiteres Stueck zusammen gewachsen...ich ereifere mich im Schmuckherstellen und Alan stellt sich als mein bester Koch heraus: Selbstgemachtes Bannaneneis, suesser Maisbrei, Schokoladennudeln, Rotebeetesahneshake, Sahnegemuese...
Aber natuerlich gibt es auch traurige Stunden, in letzter Zeit legt sich die Erkenntnis, dass ich mich zwischen meinen lieben Freunden und meiner allerliebsten Familie und meinen zwei Lieben hier entscheidne muss schwer auf mein Gemuet und ich moechte an dieser Stelle schreiben, dass ich mich dazu entscheiden habe, im Dezember erst einmal noch nicht zurueck zukommen.

 

21.11.07 02:35

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