Rio Negro mit Zahnschmerzen

In Rio Negro angekommen beginnen die Zahnschmerzen.
Nachts betaeube ich sie mit diversen Schmerzmitteln, des tags erwache ich in eisigen Glasgaerten. Es ist verdammt kalt, auf den Baeumen ist das Wasser zu Kristallen gefroren.
Hoch oben in den Bergen hat Toni seine Farm, er ist vor zehn Jahren mit einem Aufforstungsprojekt nach Bolivien gekommen. Ich wohne etwas unterhalb in einem Tagungsraum. Alles ist sehr abgelgen und still, fuer mich fast unertraeglich. Allein die Einsamkeit ist nicht mein Feind aber die Kaelte macht sie dazu. Die Schmerzen wachsen ueber mich hinaus, das Schweigen verfaengt sich in Tropfen an meinem Fenster, Gedanken ertrinken in der feuchten Luft, ich habe das Gefuehl, fur immer in dieser modrigen Leere gefangen zu sein. Die Gitterstaebe formen die Baeume, die Berge druecken auf mein Gemuet, im Garten gaehnen verwilderte Grabsteine, die Nachbarn zu schuechtern um meinen Gruss zu erwiedern.
Als ich am dritten Tag nach Tarija zurueckkehre um einen Zahnarzt aufzusuchen empfinde ich das als grosse Befreiung.

11.6.07 01:31, kommentieren

Tarija

Ueber nacht geht es von La Paz aus nach Tarija. Morgends erwache ich im Outback von Australien, dies jedenfalls sagt mir der Blick aus dem Fenster:wir befinden uns mitten in einer roten Steinwueste. Die Strasse "ausser Betrieb", es geht "quer Wueste ein", statt Kaenguruhs schauen mich zwei Esel verschlafen an, selbst vor einem See schreckt der Busfahrer nicht zurueck, mit Anlauf wird durchgeprescht.
In Tarija trifft mich dann der Schlag: es ist kalt, die Leute kommen mir mehr europaeisch wie suedamerikanisch vor, die Haeuser spiessig, zu viele Baeume ueberall. Ich laufe durch endlose Aleen und weiche dem leeren Blick von stolzierenden Menschen aus. Immer wieder stelle ich mir die Frage, ob ich auch wirklich noch in Bolivien bin. Ploetzlich laufen die Traenen, ich gebe mir keine Muehe sie aufzuhalten, dass hatte einfach schon zu lange gefehlt: "das Weinen".
Heute dann gebe ich Tarija eine zweite Chance, die Sonne hilft mir dabei, dass ich es mit anderen Augen sehe: es ist warm, wie in einer  lauen Fruehlingsnacht, sitze im T-Shirt in einem Palmenpark,  Lieder klingen aus Lautsprechern, Goldengel speien Wasser in Springbrunnen, ein foeniger Wind nimmt die Tropfen auf und zerstaeubt sie bis zur Aufloesung. Rote Blueten scheinen gerade erst aufgeplatzt zu sein, Zitronen haengen schwer, gelb an tiefgeneigten Aesten.
Ueber Mittag bin ich bei einer Familie von einer Bekannten aus Lima eingeladen. An einer riesigen Tafel werde ich empfangen. Zuerst habe ich Muehe mich mit Messer und Gabel nicht allzu dumm anzustellen. Als Hauptmenue: Gemuese in Weinblaetter gehuellt, dazu eingelegtes Knoblauch und knallbunte Cocktails mit Pfefferminze verfeinert. Am Ende der Tafel, die Mutter meiner Bekannten, eine Kinderbuchschriftstellerin. Angeregte Gespraeche ueber Literatur und die Notwendigkeit des Schreibens entstehen, ab und zu schweift mein Blick ueber antike Moebel, Gedanken haengen wie Wolken ueber uns, platzen auf und wir machen uns ueber ihren Inhalt her, Ideen treiben uns immer weiter. Da ist er wieder dieser Hunger nach dem Nachdenken, dieses Gespraech saettigt mehr wie das gesamte Dreigaengemenue. Ich fuehle mich komplett und ausgefuehllt, erneut mache ich mich in die Stadt auf. Alles transformiert sich: duestere Aleen werden zu exotischen Plantagen, die spiesigen Haeuser zu vornehmer, feiner Architektur, die leeren Gesichter nehmen Ausdruck an...Winter ist Sommer geworden. Noch immer fuehle ich mich nicht wie in Bolivien, in Italien vielleicht, was ich aber durchaus akzeptieren kann. Ich kaufe  mir frisch, gepressten Orangensaft und verlaufe mich aus dem puren Genuss des Entdeckens herraus, an jeder Ecke schluerfe ich kalte Erdbeersahne. Der Freund meines Onkels erwartet mich morgen auf seiner Farm.
Der Stimmung schreibe ich derzeit die groesste Kraft zu, ist sie doch tatsaechlich in der Lage Staedte zu verwandeln.

1.6.07 02:53, kommentieren

La Paz

und wieder bin ich ganz Feuer und Flamme, als ich mich der Stadt der Staedte naher. Da liegt er schon vor mir der Kessel, in seinem Grund brodelt das pure Leben. Zwischen modernen Haeusern, die trotz ihrer enormen Hoehe, leider nicht den Himmel erreichen, befinden sich die endlosen Maerkte; es wird geruehrt und geruehrt, niemlas kommt die Stadt zum Stillstand. Die Waende des Kessels hinauf draengen sich die Armenviertel, Haeuser die sich zu falten scheinen, so dicht bis zum Rand, wo die Berge in abstrakten Formen auf sich aufmerksam machen. Dann und wann laesst die Sonne ihren Schnee in Blut verwandeln, was den Anschein erweckt, dass dieses vom Mond herruehrt, der auf der hoechsten Spitze steckt. Aufgespiest schreit er lautlos, die Sterne leuchten um Hilfe.
Ich beziehe mein Zimmer ueber dem Hexenmarkt, hinter der Tuer nebenan finde ich meinen alten Freunde wieder:die Strassenkuenstler mit denen ich vor einem Jahr rumgereist bin. Das Fest ist so gross wie der Zufall. Die Welt ist zusammengeschrumpft , ich trage ihren Inhalt in einem kleinen Flaeschchen,durch mein Fenster angeln wir grosse Flaschen Rotweins, der Besitzer des Hauses ist ein strenger, deswegen werden wir zu Schmugglern...                                 

1 Kommentar 1.6.07 02:10, kommentieren

El Campo

Nach einer Woche bin ich nun immer noch in Copacabana, obwohl ich schon laengst in La Paz sein wollte. Ein Grund ist, dass es derzeit keine Moeglichkeiten gibt nach La Paz zu gelangen, weil Streikende die Strassen mit Steinen blokieren, der Hauptgrund ist aber, dass ich Zugang zu den Einheimischen auf dem Land gefunden habe und es dort viel zu helfen gibt. Sie sind zum Teil schon sehr alt, einsam und dazu noch krank und einfach mit der vielen, koerperlich anstrengenden Arbeit ueberfordert. Ich bin am uberlegen ein Projekt zu gruenden, indem andere Freiwillige ihnen etwas unter die Arme greifen oder einfach nur Gesellschaft leisten, was manchmal schon ausreicht, um ein Laecheln in ihre runzeliges, sonnengebraeuntes Gesicht zu zaubern.
Jeden Tag mache ich mich auf, in die farbenfrohen Felder wo die kleinen Haeuschen liegen, davor grasen Kuehe, Schweine, Schaafe, Lamas, kleien Bauernjungen versuchen stoerrische Esel zu baendigen. Fluesse schlaengeln sich durch Blumengaerten, der Lago Titicaca glitzert in der Ferne, die ersten Fischerboote schaukeln bereits hinaus...
Das pure Paradies, waere da nicht die endlose Arbeit, fuer die Menschen hier gibt es kein Ausruhen, jeden Tag muessen die Tiere auf die Weide gefuehrt werden, die Felder bewirtschaftet, Waesche gewaschen, gekocht, das Gemuese fuer ein paar Cent verkauft... Der durchschnittliche Tageslohn betraegt 1 Euro...
Und dennoch erwiedern sie meinen Gruss immer froehlich, wenn sie auf ihrem klapprigen Fahrrad ueber holprige Wege fahren, die Volkslieder aus dem kleinen Radio toenen noch lange hinterher...Ein kleiner Junge blaesst wehmuetige Toene auf seiner selbstgeschnitzten Floete, ich lausche dem Klang ehe er von den riesigen Maisfeldern verschluckt wird... 

Letzten Sonntag habe ich Saturnina mit in die Kirche begleitet. Zuerst wurde ich von einer alten Frau und ihrem Papagei begruesst, danach sind all die anderen aeltern Herrschaften mir um den Hals gefallen. Jedem wurde eine Friedensfahne in die Hand gedrueckt und los ging der Tanz. Anfangs habe ich nur verlegen zum Orchester geschaut, aber irgendwann habe ich dann verstanden , dass immer wenn die Musik schneller wurde und die Trompeten eingesetzt haben ich mich im Kreis drehen musste, ansonsten einfach nur wackeln...danach wurde geweint, der Papagei schreit "Dios es grande"....Den Gottesdienst habe ich dann nicht verstanden, weil er auf Aymara abgehalten wurde... Viele der Menschen dort sprechen nur ganz wenig oder gar kein spanisch und ich muss mich wieder mit Haenden und Fuessen verstaendigen...

Dann und wann begleite ich Faustina und ihre 5jaehrige Tochter mit ihrer Schweine-und Schaafsherde in die Berge. Die kleinen Lehmhaeuser werden immer weniger. Im letzten holen wir ihre Mutter ab, die kleinen Ferkel werden angebunden dafuer nehmen wir vier Lamas und zwei Kuehe noch mit. Wir besteigen einen der vielen Berge und versinken in einem Farbenmeer, ein Kuenstler scheint wahrlich sehr verschwenderisch mit seiner Farbpalette umgegangen zu sein! Der See in einem reinen blau, die Felder sonnengelb, oder sattes gruen, dann und wann vom Windhauch angeregt, schlaengeln sich silberne Graeser blaeulich den Huegel hinauf... mit jedem Schritt sticht mir ein neuer Geruch in der Nase, verschiedene Kraeuter uebertreffen sich gegenseitig in ihrer Duftexenz. Oben auf der Spitze binden wir die Tiere an und ernten Okka (ein Gemuese, das ich zum ersten Mal in Bolivien probiert habe). Bei jedem aus der Erde graben, freue ich mich erneut ueber die bunten Farben: wie selbstgezogene Kerzen an langen Dochten liegen sie gelb, rot, pink und lila vor uns. Der Wind aendert die Richtung, es duftet nach Zitronengras.

Mittags gibt es Kaese, Reis, Kartoffeln und Gemuese. Danach nicke ich kurz ein, die kleine Hermenia gibt ihr bestes um mich wach zu halten. Heute ist mein letzter Tag, denn morgen muss ich mich nun wirklich nach La Paz aufmachen, da ich schon am 1 Juni in Tarija erwartet werde. Der Abschied faellt mir auch dieses Mal wieder schwer, ich muss versprechen wieder zukommen und ich solle mir doch ein Schwein oder ein Lama aussuchen, dankend lehne ich ab...
Den Heimweg trete ich im dunkeln an. Ich halte mich nahe am See, weil in ihm die unendlichen Lichter vom Staedtchen wiedergespiegelt werden und mir so den Weg weisen...Mein Koerper ist muede, ich aber bin gluecklich, die letzten Bauern kehren von ihren Feldern heim, ich winke noch einmal. Wieder einmal habe ich einen Platz gefunen, wo die Menschen mich willkommen geheissen haben, einen Platz, den ich jederzeit "Mein Zuhause" nennen kann. Ich fuehle mich unglaublich weich gebetet, aufgefangen egal wo ich mich fallen lasse.

Spaet Abends dann in meinem Zimmer, als ich mich endlich dazu aufgerafft habe mich ans Packen zu machen: Stromausfall in ganz Copacabana, ein Murren geht ueber die Daecher...Ich stolpere in die Gasen, wo bereits die ersten Kerzen brennen, um mir selber welche zu besorgen. Kinder machen sich ein Abenteuer daraus, moeglichst schnell die duesteren Strassen hinunter zu fahren, dabei fahren sie fast die Touristen um, die ganz verzweifelt den Ausloeserknopf ihrer Digicam suchen, ich frage mich was sie im Dunkeln ueberhaupt fotografieren wollen, es bleibt mir ein Raetsel... Ich spiele noch mal ein letztes Mal faules Ei mit den Kindern in den Strassen danach ziehe ich mich wieder in mein Zimmer zurueck. Im Kerzenschein ist es noch gemuetlicher, ich verschlinge Buecher und wuenschte dieser Moment wuerde sich bis in die Ewigkeit ausdehnen... 

1 Kommentar 25.5.07 03:47, kommentieren

Copacabana...

...hier beschliesse ich ein paar Tage zu verweilen um mich auszuruhen, bevor ich mich in die turbulente Hauptstadt La Paz aufmache. Wieder steig ich im gleichen Hostal ab und finde alles unveraendert vor, die Zeit scheint stehen geblieben zu sein. Ich vermisse meine Freunde mit denen ich vor einem Jahr hier Party gemacht habe, aber auch geniesse ich die Einsamkeit. Ich bin der einzige Gast und habe mir das Dachzimmer rausgesucht, es ist winzig, gerademal das Bett passt rein... Aus meinem Fenster eine Sicht ueber die Daecher, den Titicacasee, dahinter die Berge...
Ich koennte stundenlang in diesem Raum verbringen, betrachte die fleckigen, tuerkisnen Waende, jemand hat "te amo Bubu" an die Wand gekritzelt. Das Bett und der Boden knirschen bei jeder Bewegung und wenn ich durch die Tuer gehe, muss ich meinen Kopf einziehen...Es reicht mir vollkommen aus allein in diesem Zimmer zu sitzen, hier scheint eine Ruhe verborgen zu sein die ich bis auf das letzte ausschoepfen will. Ich lese, schreibe, denke nach oder raeume meine Sachen mal hierhin und dorthin.
Wenn ich dann aber doch meine Hochburg verlasse so schlendere ich zum Fussballplatz, der gleich neben dem See  liegt. Dort (und so was habe ich nun wirklich noch nie zuvor gesehen) trainieren bolivianische Frauen samt ihrer Tracht... Ihre Huete wehen dabei in alle Richtungen davon, manchmal stolpern sie ueber ihre vielen Roecke, verlieren ihre Schuhe oder verhettern sich mit ihren langen schwarzen Zoepfen... Man hoert sie schon von weitem lachen; aber sie nehmen ihre Sache sehr ernst, schliesslich trainieren sie fuer Muttertag, der in Bolivien am 27 Mai gefeiert wird. Anfangs haben sie etwas schuechtern auf mich reagiert, mittlerweile werde ich aber schon als Mitspieler akzeptiert. Wir rennen und lachen bis die Sonne untergeht und die Nacht kalt und klar hereinbricht. In diesen Stunden fuehle ich mich mit ihnen verbunden, weil sie mir sonst schon eher schuechtern und etwas still erscheinen. Ich muss mich nach dem feurigen, offenen Temperament der Perunaner erst einmal an die eher etwas zurueckgezogenen Haltung der Bolivianer gewoehnen...
Zwischendurch konstruiere ich mit ihren Kindern Doerfer aus dem herumliegenden Steinen und Muell. Unsere Fantasie treibt uns bis ins kleinste Detaill, so dass es einem Haus an nichts fehlt: wir basteln Betten, Tische, Tueren, Stuehle, Schluessel, Toilleten, Gaerten aus Hoelzern, Papier, Graesern und was wir sonst noch so finden...in diesen Stunden darf ich selbst wieder Kind sein und alleine durch unsere Vorstellungskraft werden Tueren in andere Welten geoeffnet...

23.5.07 17:20, kommentieren

einmal auf Reisen ist es als waere man immer auf Reisen gewesen...

derzeit befinde ich mich in Puno in dem gleichen Hostal indem ich vor einem Jahr schon einmal war, im gleichen Zimmer schaue ich aus dem gleichen Fenster und mir fallen die Woerter ein die ich vor genau einem Jahr auf meiner Homepage dazu geschrieben habe: "Der Countdown laeuft, morgen sind es nur noch zehn Tage. Kann es kaum glauben; ein wehmuetiger Blick aus meinem Fenster auf das muntere Strassenleben, noch bin ich hier! Die Zeit verging so schnell und dennoch kommt es mir so vor, als waere ich Jahre unterwegs gewesen. Mein zu Hause liegt irgendwo im Nebel und noch kann ich es mir nicht vorstellen, zurueckzukehren". Es ist seltsam wieder an den genau gleichen Plaetzen zu sein, ich frage mich was in der Zwischenzeit geschehen ist, aber die Zwischenzeit ist schon verschwommen, was hat die Zwischenzeit aus mir gemacht? Ich fuehle mich nicht veraendert, vielmehr ist es als waere ich immer hier gewesen... Es ist kalt, von der 25stuendigen Busfahrt habe ich kopfweh. Ich trinke denn beruehmten Kokatee, im Fernsehen laufen die gleichen schrott Telenovelen die auch in Lima jetzt laufen. Jetzt bin ich seit langen mal wieder unter anderen Reisenden, drei Spanier kochen nebenan, ein Hollaender textet die Frau an der Rezeption zu und laeuft unruhig auf und ab, zwei Israelis sind wuetend, weil ihr Bus nicht kommt. Die letzte Woche in Lima bestand nur aus Abschieden: Donnerstag von einem Freund, Freitag von den Kindern in Pachacamac, Samstag von meiner Arbeit in der Bar, Sonntag von meiner peruanischen Familie, Montag von den Studenten der Universitaet Agraria, Dienstag von meiner Nachbarin und am Mittwoch wollte ich dann nichts mehr von Abschied wissen und war fast schon froh im Bus zu sitzen. In Pachacamac fiel mir die Trennung am schwersten, noch nachts bin ich von Haus zu Haus gezogen um die Kinder noch einmal in meine Arme zu schliessen. Nie habe ich je zuvor so viel Liebe erhalten durch kleine Gesten, Geschenke, Worte die noch heute warm ueber meine Seele streichen. Ich denke voller Ruehrung an die Zeit zurueck, die Wasserschlachten im Fluss, die Spaziergaenge durch die Felder, exotische Fruechte von den Baeumen pflueckend, Honig aus roten Blueten saugend, Staudaemme im Fluss bauend. Und auch wenn ich mich bereits nach erst zwei Tagen Abwesenhait bereits wieder auf meine Rueckkehr nach Lima freue, so bin ich doch auch offen fuer alles was nun kommen mag... Sigue adelante amigo... Morgen mach ich mich nach Bolivien auf.

1 Kommentar 20.5.07 00:39, kommentieren

ein neuer Abschnitt beginnt...

...Epochen enden, neue brechen an und wir fressen uns wie ein Buecherwurm von einem Kapitel zum anderen...

In nicht mal mehr als einer Woche heisst es fuer mich Rucksack packen, da ich Peru verlassen muss, um mein Visum zu verlaengern... Meine Plaene sind es in Bolivien ein paar Wochen/Monate zu verweilen um dort auf einer Farm zu arbeiten... Diese Aussicht stimmt mich froehlich und dennoch kann ich mich kaum mit dem Gedanken abfinden, dies alles was mir in der kurzen Zeit ans Herz gewachsen ist hinter mir zu lassen. Mein Zimmer, meine peruanische Familie, die Kinderschaar und auch habe ich eine Arbeit in einer Bar gefunden, meine Freunde, der Weg zur Arbeit es ist einfach zu viel um nicht mit schwerem Herzen zu gehen...
Ich habe mich identifiziert mit einem Ort, mich der Strasse gleichgesetzt, bin verschmolzen mit einer Landschaft...
Ich bin viel zu sehr hier im Jetzt um zu realisieren, dass ich bald wieder auf Reisen sein werde... Und da frage ich mich ob ich das Hier mit nehmen kann, oder zumindest Stuecke abbeissen um diese auf meinem Weg zu verzehren, oder werde ich mich dalassen, als Schatten von dannen ziehen? Wo lasse ich mich, wo enden meine Grenzen, wo sammele ich mich? Ich fuehle mich in tausend Punkte zerstreut und finde mich dort wieder wo sich die meisten von ihnen konzentrieren....
Was wird aus den Kindern werden? Ich habe Mauern gegen die reissende Stroemung errichtet, fuer wie lange werden sie halten? Wie lange haelt ein Kunstwerk dem rauhen Wetter stand? Sind wir dazu verdammt, immer wieder von neuem anzufangen?

 

8.5.07 04:30, kommentieren