Auf nach Brasilien

 

das Zigeunerleben beginnt...
Ratter, ratter der Motor knattert, Martin der Affe blaest schon zum zehnten Mal das Horn, ich mache es mir auf gelben Pampelmusen und Orangen bequem...Hoch oben auf der Ladeflaeche eines Lastwagens reisen wir nun schon seit drei Tagen... Martin der Argentinier zupft die Seiten seiner Gitarre, der Franzose Tito knuepft fleissig Armbaender, Willi versteckt sich im Schatten, Alan sitzt auf dem Fuehrerhaus und schreit dann und wann vergnuegt auf,wenn er Krokodile entdeckt. Wir holpern ueber rote Erde, durch Palmenwaelder, an Wasserfaellen und bizarren Baeumen vorbei, durch brennende Waelder. Pampelmusenschalen fliegen rechts und links vom Lastwagen, ich kann es einfach nicht lassen in diese wunderbare Frucht zu beissen. Dann wird angehalten um einen toten Aligator einzusammeln, um aus seinen Zaehnen Schmuck herzustellen, ab da an halte ich mir die Nase zu. 
Abends koche ich zusammen mit Alicia der Frau vom Lastwagenfahrer, der Affe macht es sich auf meinen Kopf bequem, reisst an meinen Haaren...

Weil wir kein Geld mehr hatten, haben wir mit unserem handgemachten Schmuck bezahlt, den jetzt der Affe traegt.
Flamingos versuchen mit uns mitzuhalten, des nachts die Sterne so klar, dass ich schon fast ein Klingen zu vernehmen meine. Morgends wachen wir in unzaehlige Staubschichten gehuellt auf...Die Sonne brennt, beim naechsten Fluss halen wir, Brasilien rueckt immer naeher!

 

Rueckblick:
Vor zwei Wochen bin ich mit Alan und Willi in La Paz aufgebrochen. Zuerst hat uns unser Weg nach Caranavi gefuehrt. Der komplette Gegensatz zu La Paz,  urwaldartig, heiss, gruen...die Menschen suedlaendisch und offener.
Ohne das es Zeit gibt darueber nachzudenken, bricht ein vollkommen neuer Abschnitt an. Jeden Tag verlieren wir mehr Dinge, bald haben wir nur noch uns und die ganze Welt dazu, so scheint es. Wir waschen die Waesche im Fluss, kochen auf Feuer, oh wie tut das Leben gut! Dann zerschlaegt die oertliche Polizei mit einem kurzen, sauberen Hieb die Harmonie, Dokumente werden verlangt. Alan und zwei andere Freunde haben keine, da sie ihnen geklaut wurden. Sie muessen einen Tag im Gefaengniss bleiben bis der Chef entscheidet, den Tag verbringe ich mit Bangen, dass Alan sofort nach Brasilien muss... Der Polizeichef ist nicht aufzufinden, also sagen sie wir koennen gehen, aber mit der Bedingung, dass wir Caranavi sofort verlassen. Wir beleiben die nacht und machen uns am naechsten Tag zu Fuss in Richtung Brasilien auf. Nach der ersten Stunde wird die Hitze unertraeglich, das Gepaeck untragbar, wir haben Glueck ein Jeep haelt und laesst uns aufsteigen. Am naechsten Polizeiposten gibt es wieder Aerger, warum wir immer noch da sein? Nach endlosen einreden lassen sie uns gehen, mit der Bedingung, dass wir nie wieder Zurueckkehren. Am Abend zelten wir in einem kleinen Strohhaeuschendorf, von nun an sind wir ueberall willkommen. In Palos Blancos lernen wir die Artesanos Martin und Tito kennen. Eine Woche zelten wir am Fluss, kochen die leckersten Gerichte, die Einheimischen versorgen uns mit exotischen Fruechten, eine Kinderschaar uimmer um unser Feuer versammelt. Wir streifen durch Bananen- und Papayaplantagen, schlagen uns die Baeuche voll. Dann brechen wir auf, mein Visum laeuft ab in gut einer Woche muss ich die grenze ueberschreiten...

 

1 Kommentar 11.8.07 22:59, kommentieren

Was in La Paz geschah:

Insgesamt ueber zwei Wochen verbringen wir dort. Eigentlich wollte ich schon laengst wieder nach Lima zurueckkehren, aber dann kam alles anders: Juli und ich stuerzen uns so richtig in den brodelnden Kessels La Pazs, dass pure Leben stroemt aus allen Ecken...
Und dann lerne ich Alan kennen, ein Brasilianer der Schmuck herstellt und somit seine Reise finanziert und verliebe mich... Zwei Wochen lang bin ich hin-und hergerissen zwischen meinem bisherigen Weg verfolgen oder die Richtung wechseln, einer Liebe nach, die vielleicht wie eine Seifenblase zerplatzen wird. Ich sage mir immer wieder, sei vernuenftig, du wolltest nach Lima und dann: aber warum, dort erwartet mich nichts bestimmtes, es gibt nichts zu verlieren, jetzt ist die Liebe so stark, wie kann ich denn darauf verzichten nur weil ich die Enttaeuschung danach fuerchte? Es sind Tage der Veraenderung und jeden Tag besprechen sich Vernunft und Gefuehl...Dreimal packen wir unsere Rucksaecke, beim vierten Mal klapptes und schon sitz ich mit Alan und Willi im Bus in Richtung bolivianischen Dschungel, danach Brasilien, Peru...

Juli bleibt noch in La Paz, aber ich hoffe, sie bald wieder zu treffen, ich vermisse jetzt schon die unbeschwerte und abwechslungsreiche Zeit mit ihr...

7.9.07 22:42, kommentieren

die Janina mal wieder...

...nach einer langen Pause....

7.9.07 22:21, kommentieren

Willi....

Wir haben Zuwachs bekommen: er heisst Willi Osito, ist 4 Wochen alt und ein Hund...
Momentan sind wir noch in Tarija und erleben jeden Tag tolle Sachen, so dass wir uns einfach nicht trennen koennen von dieser Stadt...Wir gehen wandern, tanzen zu traditionellen Taenzen,  machen Party im Kinderheim, bringen den Leuten deutsche Rezepte bei oder spielen Karten auf der Buechermesse (wer kann mir sagen wie noch einmal Quartett geht?)...
Morgen wollen wir nach La Paz reisen, aber heute haben wir Bilder in der Zeitung von einem etwas sehr eingeschneiten La Paz gesehen, was uns dann doch etwas abgeschreckt hat...
Naja, schau ma mal!
Das Reisen wird jetzt etwas komplizierter mit dem kleinen Willi, aber irgendwie gewinnt es auch an Wert, eine andere Seite kommt zum Vorschein und ich hoffe, dass Willi auch so reiselustig ist wie wir...
Bisher ist er jeden falls sehr neugierig und stolz, dass er immer im Mittelpunkt steht... 

10.7.07 22:11, kommentieren

Juli ist da, Hurra

1 Kommentar 6.7.07 18:20, kommentieren

Rio Negro ohne Zahnschmerzen

Mit gesundem Zahn kehre ich nach Rio Negro zurueck. Ich werde nur eine Woche hier verweilen, weil Anfang Juli Juli (eine Freundin aus Deutschland kommt) und ich dann mit ihr reisen moechte.
Diesmal nehme ich Rio Negro ganz anders wahr und wieder ist mir bewusst, dass auch Orte ihr Gesicht veraendern und es sich oft lohnt ihnen eine zweite Chance zu geben. Das Wetter ist mild, die Farben kreativ. Die Abgeschiedenheit stimmt mich bedaechtig und ich habe viel Zeit die Natur zu geniessen. Zweimal begleite ich Toni in die Dorfschule, wo er Umweltsfragen bespricht. Ansonsten giesse ich Erlen zwischen Kaktusfeldern, pfluecke ueberreife Orangen und esse sie dann gleich, jaehte Unkraut in Pfirsichbaeumen, beobachte wie jeden Tag mehr Knospen aufbluehen. Ich lerne wie man die Baeume veredelt und beginne diesen Flecken Erde zu lieben ohne dass ich mich dagegen wehren koennte. Seit langem mal wieder gibt es selbstgebackenes Brot, dazu koche ich Tee aus blauen, suessen Blaettern. Dier Berge schenken mir dieses Mal Geborgenheit, die Baeume begluecken mich in ihrer Farbskala von hellgelb bis blau. Alles ist bunt, selbst der Boden ist nicht einfaeltig (roter Sand, braune Erde, gelbes Pulver, weisser Kalk, grauer Lehm, schwarzer Schlamm). Der Vollmond schuettet sein Silber aus, ich breite meine Arme aus, die Nachbarn laecheln mir freundlich zu und alles ist so kostbar, so unbezahlbar kostbar...
Bereits im Schlafanzug besteige ich nocheinmal die Berge um dem Mond naeher zu sein. Sie durchzuckt mich wieder wie ein Blitz diese Ehrfurcht, es ist die Ehrfurcht vor irgendeiner grenzenlosen Macht...oder ich weiss nicht wer schreibt so schoen: Seine weißen Augen suchen froh das Unsichtbare

1 Kommentar 4.7.07 02:22, kommentieren

Stimmungen aendern sich oder im Leben ist viel, viel, viel Wunderbares

In Tarija lerne ich Isabel kennen, bei der ich die drei Wochen, waehrend der Zahnbehandlung wohne. Sie lebt zusammen mit ihrem Hund "Deutschland". Seit vielen Jahren bin ich die erste Person mit der sie spricht, da sie sich nach dem Tod ihres einzigen Sohnes sehr zurueckgezogen hat. Wir werden Freunde und lernen unglaublich viel voneinander. Sie macht mir die Politik hier verstaendlich, wir diskutieren ueber Gott und die Welt und sie verstaerkt mich darin den Weg meines Herzens zu gehen.
Tagsueber helfe ich Kindern/Jugendlichen in einem Kinderheim bei ihren Hausaufgaben. Das Internat ist ein Zufluchtsort fuer Kinder die auf der Strasse arbeiten muessen. Schon sechsjaehrige verkaufen Bonbons, waschen Autos, putzen Schuhe... Im Internat duerfen sie wieder Kind sein, koennen die ewige Sorge ums Ueberleben vergessen.
Auch sie haben ein Recht in die Schule zu gehen. Es gibt gezielte Hilfe fuer Kinder mit Lernschwierigkeiten, aber auch Kurse im Naehen, Kochen, Gartenbau, Tanz, Theater, Musik. ich will die Kinder unterstuetzen und bekomme viel mehr zurueck wie ich ueberhaupt geben kann!!!
Es sind intensive, eindrueckliche und vor allem bereichernde Tage.
Ich laufe mit leichtem Herzen durch das kleine Staedtchen, seine Eigenschaften durchtraenken mich, ich sauge seine Stimmungen auf wie Honig aus einer grossen, roten Bluete.
Der Dahrtpfeil trifft die goldene Mitte.
Ich schuettel die Rolle des staendigen Betrachters ab. Die Welt umsteht mich nicht mehr nur noch, sondern zirkuliert in meinem Innern als handele es sich um mein eigenes Blut. Der Geschmack der Gesamtheit zerschmilzt auf meiner Zunge, der Duft der Abwechslung haftet auf meine Haut. Durch meine Blutbahnen saust das Leben. Schoehnheiten purzeln aus allen Ecken. Kleine Blumen wachsen sich durch Asphalt hindurch. Reich ist der, der die Kleinigkeiten zu schaetzen weiss. Man muss Dinge nicht besitzen, um sich darueber erfreuen zu koennen, das Staunen kostet nichts und ist dennoch nicht umsonst.
Ein drittes Auge scheint sich geoeffnet zu haben, dass mich auf kleine Wunder aufmerksam macht.
Der Herbst weht heiss, ein Foen nimmt die Blaetter von den Baeumen, auf dem Boden wird geknistert und getuschelt. Die harten, schneidenden Grenzen verwischen, (ich) verschmelze(en) mit dem was ist; ich stosse unsichtbare Tueren auf und frage mich bis wohin sich das Sein erstreckt? Wo endet es?

26.6.07 01:55, kommentieren