Im magischen Maerchen erwacht...

Es scheint fast so als haette jede Sache ihr Geheimnis, ich meine zu wissen, dass hinter jedem Ding ein Schatz zu Grunde liegt...
Rechtzeitig zum Gewitter erwache ich, die ersten Tropfen fallen, Blaetter tanzen zusammen mit Plastiktueten, der Wind wickelt die Sicht in eine durchsichtige Folie, Hitze steigt auf. Bevor der Himmel sich in einen schwarzen Schirm verwandelt, verlockt er mit einem tiefen blau, ich atme Feierliches ein, Fluesterstimmung, eine Bescherung an Kostbarkeiten. Im Supermarkt findet die materielle Bescherrung statt, die Leute stehen in Schlange, das Gewicht der zu viel zu voll gefuellten Plastiktueten lastet auf ihren Gesichtern, ich blicke in meine halbfuelle und fuehle mich so leicht...schlendere zum Tattoostudio zurueck, wecke meine zwei Lieben mit Obst und Milch...Ein Abend in Arequemis!
Nun bricht die vierte Woche in Arequemis an. Diese Stadt die ich fuer eine der haesslichsten der Welt halte. Ich komme nicht drumm herum mich zu fragen, ob ich villeicht in einen Film verutscht bin, in einem in dem die Kulisse nicht ausgetauscht wird. Eine Kulisse bestehend aus einem Tattoostudio, einer Tankstelle mit eisgekuehltem Wasser und ueberzuckertem Kaffee, ein Laden der rund um die Uhr geoeffnet hat in einer Strasse in der ein Restaurant an das andere grenzt. Wenn die Daemmerung einbricht versammeln sich die Arequemiser vor ihren Autos, Musik droehnt aus den Boxen, Bierflaschen fallen zu Boden...die Maenner schauen den Frauen nach, die alle, so scheint es, in einer Barbie-Realitaet exestieren. Ich frage mich wie sie es schaffen, sich so sehr aehnlich zu sein und was in ihren Koepfen vorgeht. Wenn es dunkelt ist es auch die Zeit in der wir erwachen, dann wird erst einmal ausfuehrlich gefruestueckt. In der Nacht machen wir dann eine Kneipentour in der wir meistens schon in der ersten halben Stunde fuer 50 Reales Schmuck verkauft haben. wir geben in kuerzester Zeit alles aus...sicher wir koennten es auch fuer ich weiss nicht was sparen, aber das wuerde den Kreis unterbrechen, die Energie zuklemmen, die Unbeschwertheit davontragen...man denkt darueber nach was man so alles tolles will, passt auf das Geld auf und ohne das man es ersteinmal bemerkt nimmt es einen wichtigeren Part als alles andere ein...so aber sind wir frei, wenn wir das Geld haben kaufen wir fuer was wir gerade lustig sind, wenn nicht dann fehlt es es uns trotzdem an nichts, weil Essen findet man ueberall und die Leute lesen uns jeden Wunsch von den Augen ab. Gerade habe ich an Cola gedacht, da klopft schon ein Nachbar mit einer eisgekuehlten. Mittlerweile habe ich auch mein Schahmgefuehl ueberwunden in den Restaurants von Tisch zu Tisch zu streunern um den Leuten den Schmuck vorzustellten. Da ich leider das Portugisisch nicht so leicht zu lernen scheine, leite ich das Ganze mit einem "Tam tam" oder "Bam, bam, bam" ein. Ich bin immer wieder erstaunt, aber die Menschen freuen sich, anstatt genervt zu sein. Oft wollen sie unsere ganze Geschichte wissen und hoeren nicht auf Fragen zu stellen, dazu kommt, dass wir durch die Vermisstenanzeige von Willi nun die Beruehmtesten hier in Arequemis sind...Autos halten, Leute rufen von weitem, gratulieren uns, dass wir ihn wieder gefunden haben...
Die Naechte sind unsere, die Dunkelheit stimmt die Haesslichkeit der ganzen Stadt milder, die Hitze zum aushalten...Es ist zeit zum Traeumen, wir schwimmen im Gespraechsstoff, ertrinken in Umarmungen, oder ersticken im Schweigen...Manchmal fuerchte ich, dass es kein zurueck mehr gibt, der Nachbarsjunge sperrt gerade unsere Namen in einem Herzen ein. Ansonsten essen wir Sandwiches und einmal machen wir einen Ausflug zum Fluss, knabbern an braun gegrillten Silberfischchen...Ein Leben in Arequemis!

8.10.07 04:25, kommentieren

Wer suchet der findet!!!

Die Muehe hat sich gelohnt, nachdem wir die Stadt mit unseren Flyern tapeziert haben, wurde Willi gestern nacht zurueckgebracht...Mit verweinten Aeuglein ist er uns freudig, pieselnd entgegengerannt und hat vor Glueck so sehr geschrien, dass es fast in den Ohren weh getan hat. Danach ist er auf uns rumgehuepft und konnte es nicht unterlassen mir staendig in den Arm zu beissen, der tut jetzt mehr weh, wie das Tattoo im Nacken! Es ist jetzt der beruehmteste Hund der ganzen Stadt und alle gratulieren uns, dass wir ihn wieder gefunden haben!

20.9.07 23:07, kommentieren

Aktion: Suche!!!

Wie lange braucht man um in einer Stadt, so gross wie Reutlingen alle Leute nach einem Hund zu fragen? Es ist unmoeglich, Sterne zaehlen scheint einfacher!Dennoch wir lassen nicht locker, zu erst einmal gehen wir zum Radio, dann entwerfen wir einen Flyer:

Procura-se Willi
Um Casal de Hippie procura por seu filho chamado Willi, que e um cachorrinho!
Cor: marrom, preto, um ponto, branco no peito
Raca:  bom parese um pastor alemao so que em miniatura
Altura: approximadamente 30 cm
Idade: 5 meces
Colera: feita a mao por sua dona de cor laranja e vermelho
E e importante que quem tenha alguma informacao que entre em contato, pois e nosso companheiro e viaja com agente e nao podemos deixar de procura-lo.
Podem ligar no: 8405-9787 e falar com Mix ou levar no posto canaa de onde desaparece no dia  16 de set embro Domingo. Aproximadamente as 22. Hr. emploramosAlan e Janina

und kopieren ihn 200 Mal, diesen wollen wir in der ganzen Stadt verteilen...Mit den Tieraerzten reden wir, fragen alle Leute die uns ueber den Weg laufen...Wir werden noch einmal beruehmt als das nervige Artesanopaar, das ihr verlorenes/geklautes Kind nicht mehr findet. Ich denke in gut einer Woche hat jeder von Willi, dem verlorenem Welpen gehoert!

18.9.07 21:43, kommentieren

Unterwegs...

...in meiner Hand eine Zigarette, in meinem Kopf ein Schwindel, ich setze mich, die Lastwaegen fuellen ihre Tanks auf, die Sonne ist gerade untergegangen, Alan hat sein schwarzes T-Shirt in ein rotes umgetauscht. Dieser Schwindel gefaellt mir...wir sind unterwegs, das Ziel: Sao Paulo, fehlen noch ungefaehr 4000 Kilometer, 10 haben wir zurueckgelegt, zu Fuss, nun wollen wir per Anhalter weiter. Willi schlaeft unter den Rucksaecken, der Punk Fabricio begleitet uns, wir sprechen die Leute an. In Sao Paulo will Alan seine Dokumente nachmachen, die ihm in Bolivien geklaut wurden. Wir haben uns entschlossen diese Strecke auf uns zu nehmen, denn mit Ausweis laesst es sich einfacher reisen, diesen kann er jedoch nur in seiner Heimatstadt erhalten. Aussserdem hat er schon seit drei Jahren seine Familie und kleine Tochter nicht mehr gesehen. In den letzten Tagen hatten wir immer wieder von neuem ueberlegt: Sao Paulo oder Dschungel mit Fahrraedern? Die Muenze haben wir dreimal geworfen, beim letzten Mal hat sie sich fuer die Hauptstadt entschieden. Nun warten wir hier in der nacht, ein Auto faehrt in die naechst groessere Stadt, es hat nur einen Platz, Fabricio faehrt mit. Nun ist die Zeit wo die Moskitos unertraeglich werden, den Pappbecher fuellen wir immer wieder mit Cafe auf, es hilft nichts die Muedigkeit siegt, das Zelt wird aufgebaut, morgen versuchen wir unser Glueck. Am naechsten Tag, Alan ist gerade duschen, spreche ich ein Auto an, mehr spanisch als portugisisch frage ich ob sie uns bis nach Arequemis mitnehmen, ja sagen sie, ich koennte meine deutsche Freundin rufen. Als sie dann einen Brasilianer mit Piercing, Tattoo und Hund sehen, schwindet ihre Begeisterung, doch schon sitzen wir im Auto nach Arequemis, wo wir Fabricio wieder treffen.
In Arequemis angekommen warten wir bis das Tattoostudio oeffnet, weil Fabricio dort seinen Rucksack gelassen hat. Halbstuendlich lass ich das kalte Wasser der Tankstellendusche ueber mich rieseln um die Hitze abzuschuetteln, sie scheint sich in mir eingeniestet zu haben, alles ist fettig, feucht. Eine Mauer wird blau gestrichen, Fabricio versucht ein paar Lieder aus der Gitarre rauszubringen, die wir besitzen, obwohl niemand spielen kann, er lehnt sie frustriert an den Baum, warum muss man auch die Dinge immer erst lernen, und kann nicht einfach die Faehigkeit besitzen? Wir ziehen ins Tattoostudio ein, ich tausche Armbaender gegen Schmetterlinge....Und dann ist Willi weg, ein Mann hat gesehen, wie zwei Jungs mit ihm im Arm davon sind...Ich beginne zu Laufen, durch die ganze Stadt, der Schmetterling verhilft mir nun auch nicht zu m Fliegen...er brennt... Fliegen, dass ist es was ich moechte, ueber die ganze Stadt und in alle Haeuser reinschauen bis ich Willi finde...Blut vermischt sich mit schwarzer Farbe...es ist spaet, morgen werden wir Arequemis auf den Kopf stellen bis wir Willi finden!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

18.9.07 21:14, kommentieren

Porto Velho

Heute sitze ich in einem gruenen Garten, die Baeume trotzen vor reifen Fruechten: Mango, Casnew, Copa Azul, Acai, Guarana...
Wir sind noch in Porto Velho, jedoch etwas ausserhalb in einem Haus von einem Freund, hier gefaellt es mir schon viel besser, die Haeuser aus Holz, entlang einer antiken Eisenbahnschiene auf der vor ich weiss nicht wie vielen Jahren unzaehlige Menschen gestorben sind, waehrend sie den Amazonas erforschen wollten... Das Leben spielt sich auf der Strasse ab, nicht ein Haus mit verschlossener Tuere...
Ein paar Tage wollen wir noch verweilen, die Zeit nutzen um Ohrringe aus Kokusnuessen herzustellen. Dann wollen wir mit Fahrraedern den Dschungel durchkreuzen, vorausgesetzt wir finden welche...Und dann muss Willi natuerlich wieder richtig fit sein...Willi, wo ist der eigentlich? Ich suche im Garten, gerade kommt Alan vom Einkaufen zurueck, wir suchen gemeinsam, schreien uns die Kehle aus dem Hals, laufen von Haus zu Haus, von Willi keine Spur. Es kann nur sein, dass er geklaut worden ist, er geht niemlas weit und vor allem nicht so lang und jetzt suchen wir schon den halben Tag. Der Gedanke tut weh, ich kaempfe mit Traenen, so ist das Leben denke ich, aber wer ist wohl sein neuer Besitzer? Wird er gut mit ihm sein und er brauch doch schon laengst seine Augentropfen....und dann finden wir ihn unter dem Sofa, wo er friedlich schlaeft, Willi Willi, er haette ja auch mal was sagen koennen!

8.9.07 00:12, kommentieren

Semaforo

Die Ampel schaltet auf rot um, nun bin ich gefragt, die Strasse ist meine, die Show liegt in meinen Haenden, an meiner Seite Mariella, ich schmeisse die drei bunten Baelle in die Luft, muss ja niemand wissen, dass ich in Wahrheit nicht wirklich gut jonglieren kann! Ich huepfe, begruesse die Autos mit einem "Eso", spiele den Clown, bin in einem Rausch, es ist nicht mehr wichtig, was ich mache, die Hauptsache ist, dass ich ganz drinnen bin in der Welt der Vorstellung. Der Vorhang oeffnet sich und ich bin in der Zeit der roten Ampel der Schoepfer, der Regiesseur, der Schauspieler, ein Clown oder Versager vielleicht, aber immer werde ich mit einer neuen Erfahrung bereichert...Alle Autos richten ihre Augen auf uns, die Baelle fallen runter vielleicht, aber die Leute suchen nicht den Profi, die Energie muss stimmen.
Es gibt den Punkt, wo es nicht mehr wichtig ist, was das Publikum denkt, wenn nicht vielmehr ich mich wohlfuehle in der Welt und sei es die ganz eigene ausgedachte in der ich die Freiheit finde...und sicher immer wieder fragt mich die Vernunft, was ich da mache vorgebend als wuerde ich jonglieren koennen mit Mariella, die ganz ernst mit zwei Tuechern rumfuchtetlt und meint, dass das gut aussieht. Dann und wann haue ich auf die Trommel und hoffe nur, dass kein Auto die Fensterscheibe unten hat und den Stuss hoert und dann muss ich lachen und liebe den Moment, weil er so unvergesslcih, verrueckt ist....
Bevor die Ampel in gruen umwechselt wird der Hut rumgereicht, es klimpert, man verdient gut. 

Und in Wahrheit koennte ich auch einfach Geld abheben, denn noch bleibt mir noch von meinem Ersparten. Aber es ist einfach ein anderes Gefuehl mit weniger Geld auszukommen, man stoesst an Grenzen, oeffnet Tueren, gelangt in Tiefen die man auf andere Weise so gar nicht erfahren koennte und dennoch ganz reif bin ich nicht fuers Vagabundenleben und schaetze nichts mehr als die Sicherheit und die Liebe die ich immer wieder von meinen Lieben zu Hause empfange.

1 Kommentar 7.9.07 23:51, kommentieren

Brasilien

Porto Velho: Fast drei Wochen sind wir jetzt schon in dieser Stadt Brasiliens, die mich zu Beginn mit ihrer Modernitaet und schicki-micki Art ziemlich geschockt hat. Nach dem urspruenglichen und einfachen Leben in Bolivien war die Ankunft hier wie ein Sprung ins kalte Wasser, die Umstellung kam zu schnell, ich kam nicht mit mit der Veraenderung... Wir steigen in der Alojamiento gleich hinter dem Terminal ab. Fast jeden Tag laufen wir in das drei Kilometer entfernte Zentrum und wieder zurueck. Verkaufen von unserem Schmuck tun wir nichts, die Menschen ziehen dem handgemachten Schmuck aus Natur, Plastik, komerzielle Dinge vor. Die Hitze macht mich leer, in unserem Zimmer schwimmen die Moskitos, der Ventilator kaempft gegen die Feuchtigkeit an, durchschneidet die Luft. Ich moechte diesen Ort verlassen, aber die Hitze raubt mir die Kraft zum Gehen. Um Willi mach ich mir Sorgen, er ist so veraendert, wir tragen ihn zum Tierarzt, eine Augenentzuendung, nichts schlimmes. Schlimmer ist, dass sie ihn immer klauen wollen. Schon vier Mal haben Passanten ihn einfach mitgenommen und wir haben es zum Glueck noch rechtzeitig gemerkt.
In der Alojamiento treffen wir auf viele andere Artesanos, die mir beibringen wie man Armbaender knuepft, nach einer Woche ist mein Bambusstab schon voll, dennoch verkaufen tu ich nichts, die Schwierigkeit einer unbekannten Sprache kommt noch dazu, also heisst es "Semaforo" machen...

1 Kommentar 7.9.07 23:34, kommentieren