Amerikansiches Fruehstueck

Ich sitze im Restaurant des Grand Hotels Guayaquil (indem ich aber sicher nicht wohne :-)) und geniesse Ruehrei mit Toast und Cafe. Durch das Fenster sehe ich nur halbe Gestalten, der Rahmen schneidet sie von der Guertellinie nach oben hin ab...das macht mir die Stadt in diesem Moment sympatisch, bleibt doch so viel zur Vorstellung. Das moderne Leben laesst sich hier nicht wegdenken und dennoch passt es nicht wirklich dorthin, es ist als wuerde die Stadt in manchen Strassen schlechtes Schauspiel abhalten und von den Seitengaeschen quillt das wahre Leben: Einfachheit, Krankeiten, Alkohol, Drogen, Abfall, Kinderarbeit. Ich finde in einer grossen Stadt ist die Armut nur schwer auszuhalten, dass ist auch der Grund warum ich meine letzten Ersparnisse in amerikanische Fruehstuecke ausgebe, fuer einen Moment fern von diesen Wahrheiten zu sein..
Ich geniesse die letzten Tropfen des frisch gepressten Orangensaftes und traeume von unserem einfachen, aber netten Haeuschen, denke an unser Kind, dass Ende August die Welt erblicken wird, voller Liebe und Vorfreude!

1 Kommentar 10.6.08 19:32, kommentieren

Schreibluecke

Was bringt einen dazu lange nicht mehr zu schreiben? Sicherlich gibt es viele Gruende: keine Zeit, keine Lust, es gibt nicht viel zu berichten oder aber einfach zu viel zu schreiben. In meinem Fall ist es letzterer. Wenn ich zum letzten Eintrag zurueckschaue, dann wird mir klar, dass ich nun gut vier Monate nicht mehr geschrieben habe, dabei hatte ich doch immer solche Freude euch allen von allen moeglichen Dingen (und selbst den Unwichtigsten) zu erzaehlen. Vielleicht liegt es daran, dass ich nicht gut bin in grossen Neuigkeiten auszudruecken, also schreibe ich es nun einfach so darnieder: ich bin in freudiger Erwartung ein Kind zu bekommen.
Nach ueber dreimonatigen sehnsuechtigen Warten auf Alan und Willi haben wir uns dann endlich in Lima (wo ich die Zeit uber gewohnt habe) getroffen und sind zusmmen in den Norden von Peru gereist, bis nach Piura, ein kleines Studentenstaedtchen, wo wir auch letzte Woche ein kleines Haeuschen fuer uns gefunden haben. Waehrend Alan nun am renovieren ist, sitze ich vor einem amerikansichen Fruehstueck in Guayaquil (Equador) und wuerde gerne wissen wer mir einen Schlaeger zum Zeit totschlagen verkauft, bin ich mit meinen Gedanken doch viel mehr bei meiner zukuenftigen kleinen Familie und habe wirklich nicht viel Interesse in diesem Moment Equador (was wirklich ein wunderschoenes Land zu sein scheint) zu erkunden. Warum ich dann hier bin? Um mein Visum fuer Peru zu verlaengern...Die Aufenthaltsangelegenheiten machen uns es nicht einfach, nun waren wir erst getrennt, weil ich aus Brasilien ausreisen musste, nun aus Peru und Alan konnte nicht mit nach Equador, weil sein Reisepass immer noch nicht angekommen ist. Jedenfalls will ich diese Tage wieder nach Piura zurueck und freue mich dann einfach mich niederzulassen, Heimat zu schaffen, anzukommen.

 

10.6.08 19:15, kommentieren

wunderliches

meinen Haenden entschluepfen Blumen, Edelsteinketten, kleine Tierchen...Ich halte in meinen Haenden einen Bernstein mit Insekten, seit Jahren wie in einem Speicher verewigt...ein Freund aus Reutlingen laeuft mir zufaellig ueber den Weg, in Traeumen spielt sich die Zukunft ab, ein Freund ist nicht mehr unter uns, seine Faeden als Andenken in meinen Haaren und alles wiederholt sich immer wieder in anderen Geschichten, Welten, Leben...heute war ein sonniger Tag, ich arbeite auf dem Plaza, fuehle mich frei unter den anderen, der kuenstliche Wasserfall rauscht, der Wind treibt mir seine Tropfen ins Gesicht. Unsichtbare Faeden werden zu schnell bewegt. Ist es nicht so, dass zu Vieles doch immer bereits vorher erahnt wird?

27.2.08 03:20, kommentieren

Luecken

Tage, Wochen, Monate habe ich nun nicht mehr geschrieben...
Und ich weiss auch gar nicht wo ich anfangen soll, wie zusammenfassen oder einfach weiterfahren??? Weiterfahren das wuerde heissen nun geht es dann bald von Cusco nach Lima...Seit bald zwei Wochen habe ich Alan und Willi in Brasilien zurueckgelassen und werde nun also in Lima auf sie warten...In Cusco gefaellt es mir gut, ich habe eine Leidenschaft fuer Edelsteine entdeckt und mache damit Ketten, Armbaender u.s.w. Das Verkaufen ist eher muehsam, weil entweder der Regen oder die staedtischen Aufpasser uns verjagen...Das Schoene ist aber, dass ich schon viele Freunde kennen gelernt habe und so die nach der langen Zweisamkeit einsamen Stunden gut ueberstehe...Wenn es hier nicht so kalt waere, wuerde ich sicher noch laenger bleiben...In Brasilien hatten wir noch sehr schoene Tage, Wochen, Monate: Wir haben uns Fahrraeder gekauft und eine zwei wochenlange Tour durch mehrere Staedte unternommen, wir haben in einer Kommunidat gewohnt und uns auf das Samen durchloechern spezialisiert, wir haben den Karneval in Porto Velho gut ueberstanden und dann kam auch schon der Abschied...

1 Kommentar 21.2.08 03:17, kommentieren

Auf zu neuen Horizonten...

Ich sitze aufrecht im Bett, bunte Eulen flattern aus meinen Fingerspitzen. Vor mir entfaltet sich etwas Offenes...die Zukunft haben wir in unseren Traeumen in die Wegpfeiler gepflanzt, Pfeile gen Venezuela...Venezuela da wird Familie sein, aber die Wege dorthin sind schwankende Leitern...wir werden uns trennen vorerst, denn mein Visum laeuft ab und Alan muss fuer Venezuela einen Reisepass besitzen, diesen kann er aber nur in Brasilien erhalten und die Buerokratie hier ist nichts fuer Ungeduldige. Ich werde erst einmal nach Lima gehen...Ich bin fragend, weil nicht genau sicher ist, bis wann er nachkommen kann, ich bin ausser mir vor Glueck bei dem Gedanken was wir erhalten werden, ich lasse  mich jetzt fallen, weil ich dann aufgefangen werde...

21.2.08 03:03, kommentieren

was man so erlebt....

und dann scheint die Malaria nicht locker zu lassen, Alan geht es wieder schlecht, am Donnerstagmittag machen wir uns ins oeffentliche Krankenhaus auf...Draussen schuettet es abwechselnd Kuebel oder aber feuchte Nieselvorhaenge verhaengen einem die Sicht, die Regenzeit ist ohne sich vorzustellen eingebrochen. Im Wartesaal warte ich auf schrillen, neongruenen Plastiksesseln, eine junge Patientin ueberreicht mir ein Mittagessen (das die Leute einem aber auch alles von den Augen ablesen koennen)...Willis Nase weitet sich, nun haelt er es endgueltig nicht mehr aus, draussen in der ungemuetlichen Feuchte zu warten, ich halte ihn auch nicht mehr davon ab hineinzukommen den die Leute scheint es in keinster Weise zu stoeren wenn er im Wartezimmer neben mir Platz nimmt. Der Sprechstundenhelfer mit dem roten Nagellack und dem roten Haarreif reicht mir ueber den Thresen eine Gabel. Ein Baby schreit sich die Stimme aus der Kehle (oder die Kehle aus dem Hals) und ubertoent den Gruselfilm, der Eisverkauefer spuckt dreimal auf den Boden ehe er seine Sorten aufzaehlt. Ich  frage mich wohin denn noch einmal meine Reise geht, oder ob ich gar den Zug verpasst habe, aber dann faellt mir wieder ein, dass ich mich gar nicht im Bahnhof befinde sondern im staedtischen Krankenhaus...Wir muessen lange warten denn der Herr Doktor ist gerade beim Mitagessen...danach verschreibt er Alan ein Lebermedikament, denn die Malaria hat die Leber angefallen...er bleibt noch ein paar Stunden und ich schlendere durch den Regen zurueck, kaufe Willis Hundefutter und erledige Dinge die man eben so erledigt...

1 Kommentar 1.12.07 21:59, kommentieren

Zwei Monate Arequemis

...sie haben uns bereits zur Legende manifestiert...fast jeden abend das gleiche Spiel: ein Lockenkopf aus Sau Paulo und seine deutsche Freundin, dicht gefolgt von Willi, dem tolpatschigen Hund der schon um einiges gewachsen ist und nun auch schon seine neue Zaehne hat...jedenfalls kommen die immer die selbe Strasse hinunter von einem Restaurant zum anderen und wieder hinauf...Verkaufen ihren Schmuck, Willi sitzt daneben und starrt das Essen an und hat auch schon seine Lieblingsrestaurants...Leute die Schmuck verkaufen nennt man hier Hippie, diese drei sind beruehmter als Popstars...fast schon fuehle ich mich unwohl, wenn uns von allen Seiten zugewunken wird, aber das kommt davon wenn man jeden Abend die selben Leute belaestigt und ausserdem foerdert das Beruehmtsein ja den Verkauf. Belaestigt fuehlen sich die Leute nicht, ganz im Gegenteil beschenken uns mit Essen, Trinken, Geld und nicht zu letzt mit interessanten Gespraechen. Immer noch muss ich mich jedes Mal ueberwinden wenn ich die Leute anspreche, von Tisch zu Tisch ziehe und versuche meine Zunge bei der portugisischen Aussprache nicht zu sehr zu verdrehen...Jedenfalls sind alle sehr geduldig und oft entstehen sehr nahrhafte Gespraeche, die unter anderem dazu fuehren einen Ort mal ganz anders zu erkunden...wir erforschen sozusagen seine Einwohner. Jeden Abend ungefaehr 50 Smalltalks bishin zu stundenlangen Unterhaltungen mit unterschiedlichen Menschen wuerfelt jedes Mal ein buntes Muster zusammen und obwohl sie jedes Mal gleich beginnen, ist es nie zum Gaehnen da doch die Meinungen und Reaktionen unterschiedlicher Menschen ebenfalls unterschiedlich sind und nach dem ueblichen "woher kommt ihr, wie habt ihr euch kennen gelernt, wieviel kostet der Hund (nein er ist nicht zu verkaufen)" immer verschiedene Richtungen einschlagen. Ich muss zugeben. dass die Energie durch jedes verkaufte Schmuckstueck waechst, dennoch ist das Geld verdienen lang nicht mehr das Einzige , zaehlen doch auch die Begegnungen mit den Leuten. Die Moeglichkeit jeden kennen zu lernen, ist ein bisschen als haette uns der Buergermeister den Schluessel seiner Stadt in die Hand gedrueckt: haben wir Zahnschmerzen, kennen wir bereits die Zahnaerzte, die Restaurantbesitzer sind unsere Freunde (falls wir doch mal den Beruf wechseln wollen), es regnet Taetowierungen, ich habe Einladungen in allen moeglichen sozialen Projekten...
Und manchmal erleben wir auch kleinere Abenteuer: eine Katze die Willi fressen will, ich stolpere deutlich ungeschickt, falle noch ungeschickter auf die Nase und die Leute schauen am Ungeschicktesten zur Seite (Bemerke; dreifache Steigerung, damit meine Bildung nicht ganz verloren geht, erinnere ich mich immer mal wieder an ein paar Dinge vom Abitur), ein Ausflug nach Porto Velho, den ich jetzt nicht naeher ausfuehren will, Alan mit Malaria und mein Visum das ablaeuft, ich habe es zwischenzeitlich aber um drei Monate verlaengern koennen...
Die Angewohnheit tags zu schlafen und nachts zu wachen ist zum Brauch geworden und Alan und ich sind um ein weiteres Stueck zusammen gewachsen...ich ereifere mich im Schmuckherstellen und Alan stellt sich als mein bester Koch heraus: Selbstgemachtes Bannaneneis, suesser Maisbrei, Schokoladennudeln, Rotebeetesahneshake, Sahnegemuese...
Aber natuerlich gibt es auch traurige Stunden, in letzter Zeit legt sich die Erkenntnis, dass ich mich zwischen meinen lieben Freunden und meiner allerliebsten Familie und meinen zwei Lieben hier entscheidne muss schwer auf mein Gemuet und ich moechte an dieser Stelle schreiben, dass ich mich dazu entscheiden habe, im Dezember erst einmal noch nicht zurueck zukommen.

 

21.11.07 02:35, kommentieren